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AV REVIEW DIGITAL AUDIO & VISUAL/JAPAN 
Nr. 96 April 2001

DVD Audio Disks - Vorstellung von 56 Titel
Die Redaktion ist Feuer und Flamme für die DVD Audio Disk. Mit diesem Artikel möchten wir unsere bisher gesammelten Impressionen wiedergeben. Wir denken das die hier vorgestellte Disk bald größere Aufmerksamkeit erlangen wird.

Man muß DVD Audio ersteinmal erlebt haben.

Als die SACD und DVD Audio Normen vorgestellt wurden , hat man diese als Medium der nächsten Generation gepriesen und dabei in erster Linie das Augenmerk auf die gegenüber der bisherigen 12cm Disk überlegenen Hardware-Spezifikationen gelenkt, wie zum Beispiel einen durch höhere Sampling-Frequenzen ermöglichten  Frequenzgang, der  das menschliche Hörvermögen weit überschreitet durch höhere Sampling-Frequenzen. Vieleicht weil man sich an das Stereo der letzten Jahrzehnte gewöhnt hatte,  rückte man die Mehrkanal-Wiedergabemöglichkeit nicht in den Mittelpunkt. Der Verkaufsstart von DVD Audio Software wurde durch Urheberrechtsprobleme stark behindert. Die SACD war für den 2 Kanal High End Bereich bestimmt und erreichte somit nur eine sehr eingeschränkte exklusive Klientel.

Es ist eine Binsenweisheit, aber Musikhören ist nur im Zusammenspiel von Hardware und Software möglich und erst wenn beides aufeinander abgestimmt ist kann auch ein dynamischer Wachstumsmarkt entstehen. Die Konzentration auf die Welt der Liebhaber, die “Musik genießenE gleich zusetzen mit ihrer Verliebtheit in technologischen Fortschritt bei den Geräten, barg die Gefahr nur einen kleinen Markt zu schaffen.

Ist die Erhöhung der Sampling-Frequenz oder die Erhöhung der Anzahl der Wiedergabekanäle ein Mehr an Hörgenuß? Wenn man die Mehrheit der Nutzer im Auge hat, kann nur Letzteres die Antwort sein. Dies hat aber auch zur Folge, dass die Anforderungen an die Disks sehr hoch sein werden. Seinerzeit ist die Quadrophonie an den allzu spärlichen Qualitäten der Wiedergabegeräte und zum größeren Teil an nicht ausgereifter Aufnahmetechnik und Musikkonzepten gescheitert. Im Gegensatz zur Surround-Technik im Filmbereich, die zur Zeit ihren Höhepunkt erreicht, steht die Multi-Kanal Musikaufnahme noch am Anfang und muß nicht nur mehrere Kanäle präsentieren, sondern eine Luftigkeit und Raumklangqualität bieten, die bislang mit Stereo-Aufnahmen nicht möglich waren. Ansonsten wird niemand bereit sein die CD in die Ecke zu verbannen und weitere drei oder mehr Lautsprecher in die Wohnung zu stellen.

Der Schlüssel zur breiten Akzeptanz der neuen digitalen Tonträger liegt in der Multi-Kanal-Aufnahme. Natürlich ist es wichtig bei jeder Aufnahme auf die Qualität zu achten, jedoch ist es mindestens genauso wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg ein breites Angebot zu schaffen. Dass zwei Jahre nach der Einführung der neuen Technologie soviele Titel erschienen sind, ist höchst erfreulich. Die im rechten Kasten vorgestellte Aufnahme “Wiener AbendEist ein Paradebeispiel für eine Musikwiedergabe die mit fünf Lautsprechern einen bisher nicht dagewesenen Hörgenuß beschert. Bemerkenswert ist, dass nicht eine Vielzahl von Instrumenten, sondern ein einziger Konzertflügel aufgenommen wurde und es gelungen ist die Stücke von Schubert (letzte Walzersammlung) und Liszt (Wiener Abend) durch die geschickte Aufnahme des Nachhalls des Klaviers für die hinteren Kanäle eine originalgetreue Atmosphäre des Aufnahmeortes ein Meisterwerk von Aufnahmetechnik zu erschaffen. Hier ist eine Räumlichkeit aufgenommen worden, an die eine Stereoaufnahme nicht heranreichen kann.

Wie bereits dargestellt, sind die DVD Audio Disk oder die Multikanal-SACD nicht allein für die High End Fans bestimmt. Heutzutage wo immer mehr Haushalte für die 5.1 Kanal-Technik bereits über die erforderliche Infrastruktur verfügen, um sich an den Filmen zu erfreuen, wünschen wir uns dass die Vorzüge der neuen Musikaufnahmen zahlreiche Anhänger finden wird. Ohne Zweifel wird ein neues Hörgefühl sich weiter Verbreitung erfreuen.
 

e-mail: nishimura@t-online.de

Die Aufnahme die die Redaktion am meisten beeindruckt hat

Pioneer LDC: Wiener Abend PIAC-1001 Yen 3.800

Franz Vorraber, der bereits viermal in Japan gastierte spielt die für ein Klavier komponierte Wiener Musik und die Schubertiaden. Schubertiaden sind Orchesterwerke die für ein Klavier transkribiert wurden. Diese Stücke waren im späten 18. bzw. 19. Jahrhundert in Wien hoch in Mode. Diese DVD 5 Kanalaufnahme bringt uns den Genuß der Wiener Klavierstücke mit dem weichen und warmen Klang des Bösendorfer (275) Konzertflügel in der Akustik des Franziskaner Klosters.